Museum Könitz: Die Lebenswelt im Kamsdorf vor 258 Millionen Jahren - Ein Paradies vor dem Untergang
Ein Vortrag von Dr. Silvio Brandt im Bergbau- und Heimatmuseum Könitz im Geopark Schieferland am 5. November
Saalfeld/Geopark Schieferland. Am 5. November 2026 ist es im Bergbau- und Heimatmuseum Könitz um 19 Uhr wieder einmal soweit: Der Vortrag „Die Lebenswelt in Kamsdorf vor 258 Mio. Jahren – ein Paradies von kurzer Dauer“ von Dr. Silvio Brandt lädt dazu ein, in eine längst vergangene Zeit einzutauchen. Anhand der Fossilien aus dem Kamsdorf-Könitzer Revier lässt sich die damalige Lebenswelt rekonstruieren. Die Funde erzählen von einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt und geben Einblicke in die Lebensräume eines Meeres, das vor rund 258 Millionen Jahren weite Teile Europas bedeckte.
Nach dem gut besuchten öffentlichen Vortrag von Prof. Jörg W. Schneider „Als Thüringen unterging“ über die große Zechsteinflut vor 258 Millionen Jahren bei der diesjährigen GeoTop-Tagung in Probstzella im Mai besteht nun ein weiteres Mal die Möglichkeit, bei einem lebhaften Vortrag in die Erdgeschichte dieser Epoche im Geopark Schieferland einzutauchen. Erfreut äußert sich Landrat Marko Wolfram als Vorsitzender des Vereins Geopark Schieferland in Thüringen „Ich begrüße das Engagement unserer Geomuseen im Geopark, mit solchen öffentlichkeitswirksamen Vorträgen den Geopark greifbarer zu machen. Insbesondere Heidemarie Lämmerzahl und Annett Färber ist zu danken, dass sie sich engagiert für das wichtige Bergbau- und Heimatmuseum Könitz einsetzen.“ Das Museum ist eine Einrichtung der Gemeinde Unterwellenborn, Mitglied im Thüringer Geoparkverein, im Museumsverband Thüringen e.V. und im "Netzwerk Geo-Museen" des Geoparks Schieferland.
Der Vortrag knüpft an die regionale Forschungsgeschichte zum Bergbau und zur Geologie des Landkreises, die sich in zahlreichen Beiträgen der Rudolstädter Heimathefte widerspiegelt. Das Könitzer Museum ist Partner der Rudolstädter Heimathefte und trägt damit zur Vermittlung regionaler Geschichte und Forschung bei.
Zu den RHH-Autoren gehört auch Silvio Brandt, der zuletzt im Heft 11/12 2018 der Rudolstädter Heimathefte den Beitrag „Faszination Röntgen“ veröffentlicht hatte. Darin beschäftigte er sich mit den besonderen Fossilienfunden aus dem Kamsdorf-Könitzer Revier und deren Sichtbarmachung mithilfe von Röntgenverfahren. Das Heft ist inzwischen jedoch leider vergriffen.
Dr. Silvio Brandt, 1969 in Eisleben geboren, ist Neuroradiologe am Klinikum Chemnitz und ein international vernetzter Experte für die Fossilien des Zechsteins, die rund 258 Millionen Jahre alt sind. Seit 1984 widmet er sich der Paläontologie und hat eine Sammlung von mehr als 10.000 Fossilien aufgebaut, darunter über 3.000 Funde aus dem Kamsdorfer Revier. Seit vielen Jahren ist er dem Bergbau- und Heimatmuseum Könitz verbunden und hat dessen wissenschaftliche Arbeit durch Vorträge, Führungen, Ausstellungen und Publikationen bereichert.
Tiziano Zaake
Auszubildender Presse- und Kulturamt
Hintergrundinformation:
Am Ende des Perms kam es zu einer globalen Katastrophe, der ein Großteil der damaligen Tier- und Pflanzenwelt zum Opfer fiel. Die Ursachen werden unter anderem mit gewaltigen vulkanischen Ereignissen in Verbindung gebracht. Die Erholung der Natur dauerte viele Millionen Jahre. Die Fossilien aus dem Zechstein sind deshalb wertvolle Zeugen einer Welt, deren Ende einen tiefgreifenden Einschnitt in der Geschichte des Lebens markiert.
Die Region um Kamsdorf und Könitz zählt zu den bedeutenden Fundgebieten für Fossilien aus dem Ober-Perm. Neben verschiedenen Fischarten finden sich Überreste von Muscheln, Armfüßern, Moostierchen, Seelilien und Kopffüßern. Auch fossile Lebensspuren, etwa die Gänge von Tieren im ehemaligen Meeresboden, sind erhalten geblieben.
Eine besondere Rolle spielt dabei die außergewöhnliche Erhaltung mancher Fossilien im silberglänzenden Bleiglanz des Kupferschiefers. Selbst feinste Strukturen können dadurch bewahrt bleiben. Mit modernen Röntgenverfahren lassen sich zudem zahlreiche Kleinfossilien sichtbar machen, die an der Gesteinsoberfläche nicht oder kaum zu erkennen sind. So eröffnen sich auch bei lange bekannten Fundstellen neue wissenschaftliche Perspektiven.
Die Fossilien zeigen, wie vielfältig das Leben im Zechsteinmeer war. Zugleich machen sie deutlich, dass die Erforschung der Erdgeschichte längst nicht abgeschlossen ist: Auch heute können neue Funde und moderne Untersuchungsmethoden dazu beitragen, bislang offene Fragen zu beantworten.
„Passend und empfehlenswert zu diesem Vortrag ist ein Besuch der Dauerausstellung Geologie und Bergbau des Geo-Museums auf Burg Ranis mit dem Schwerpunkt der Entstehung der europaweit einmaligen Zechsteinriffe zwischen Könitz und Neustadt an der Orla oder eine Wanderung auf dem Geopfad Zechsteinriff Pinsenberg mit Start oder Ziel in Ranis oder in Krölpa.“ Darauf weist Andreas Gliesing, der Geschäftsführer des Geoparks Schieferland, hin.
Fotos: Silvio Brandt – aus dem Beitrag im Rudolstädter Heimatheft 2018
Abb. 2: Palaeophycus hoeianus, isolierte Grabgänge, historischer Fund um 1845 aus Könitz, vermutlich von Hoë stammend, Bildbreite ca. 10 cm.
Abb. 9: Palaeoniscum freieslebeni, Kupferschieferhering, Kamsdorf, ded. P. Linke, Länge ca. 18 cm.
Abb. 12: Aufschlusssituation im Großtagebau Kamsdorf 2009, vom Liegenden zum Hangenden: Tonschiefer (von Schutt überlagert), Mutterflöz, Kupferschiefer, basaler Zechsteinkalk/Productusbank.