Grünes Band soll UNESCO-Welterbe werden
Zweitägige Abschlusstagung in Probstzella – Landrat unterstützt Antrag
Probstzella. Im Bauhaus-Hotel Probstzella findet am 10. und 11. Juni eine zweitägige Abschlusstagung der Veranstaltungsreihe „Auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe – Das Grüne Band in Thüringen“ statt. Ziel der Tagung ist es, Akteurinnen und Akteure Wissenschaft, Kultur, Naturschutz, Politik, Wirtschaft und Tourismus miteinander in Dialog zu bringen und den gesellschaftlichen und politischen Rückhalt für die Bewerbung des Grünen Bandes als UNESCO-Welterbe zu stärken. Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus Deutschland, den USA, Tschechien und Südkorea, darunter die Bürgermeister von Probstzella und Gräfenthal, Marco Müller und Sven Kuhnen, sowie Landrat Marko Wolfram.
Organisiert wurde die Veranstaltungsreihe durch die Stiftung Naturschutz Thüringen und den Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Zwischen September 2025 und Juni 2026 widmeten sich zahlreiche Veranstaltungen in Thüringen der Natur und Geschichte entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.
Dr. Peter Wurschi, Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur begrüßte die Gäste der Tagung. „Das Grüne Band lädt dazu ein, sich mit der jeweils anderen Seite der ehemaligen Grenze zu befassen. Das macht es zu einem Erfahrungsraum deutscher und europäischer Geschichte“, sagte Dr. Wurschi. Carsten Schneider, gebürtiger Thüringer und amtierender Bundesumweltminister, nannte in einer Videobotschaft das Grüne Band eine „Schatzkammer der Artenvielfalt“. „Die Geschichte ist hier genauso lebendig wie die Natur“, so der Umweltminister im Hinblick auf zahlreiche Gedenkstätten und kulturelle Einrichtungen entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs. Katrin Arndt, Staatssekretärin im Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten lobte die bisherigen Anstrengungen auf dem Weg zum Welterbe-Status.
Thüringen sei hier vorangegangen und trage bisher die Kosten für den Welterbe-Antrag allein. Sie warb energisch für eine Beteiligung der anderen acht Bundesländer, die an der ehemaligen innerdeutschen Grenze liegen. Dr. Sonja Pieck, Humangeografin am Bates College in Lewiston in den USA hielt den Einführungsvortrag mit dem Titel „Erinnerungsökologie – Naturschutz in verwundeten Landschaften“. „Das Grüne Band ist eine unauslöschliche Verbindung zwischen Erinnerung und Natur“, so die Professorin. Dafür prägte sie den Begriff „Erinnerungsökologie“ bei der unter anderem die Rudimente der Grenzanlagen mit ökologischem Material verschmelzen. Damit sei das Grüne Band hervorragend als gemischtes UNESCO-Kulturerbe vorbereitet.
Im anschließenden Podiumsgespräch diskutierten Fachleute von BUND, Umweltministerium und der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn über den Vortrag. Weitere hochkarätig besetzte Diskussionsrunden und Vorträge sowie eine Wanderung am Grünen Band sind für den zweiten Veranstaltungstag geplant. „Ich bin sehr stolz und freue mich, dass diese internationale Fachtagung in Probstzella stattfindet. Ich konnte das Projekt Grünes Band schon in meiner Zeit als Bürgermeister begleiten und bin beeindruckt, wie es sich entwickelt hat. “, sagte Landrat Marko Wolfram, der den Weltkulturerbe-Antrag ausdrücklich unterstützt.
Hintergrund:
Deutschland war über 40 Jahre durch die innerdeutsche Grenze geteilt. Der streng bewachte Grenzstreifen wurde im Laufe seines Bestehens zum Refugium für mehr als 1.200 seltene und gefährdete Pflanzen- und Tierarten. Die Grenzregion entwickelte sich zu einem Biotopverbund von europäischer Bedeutung – dem Grünen Band.
Im einstigen Sperrgebiet der DDR und Zonenrandgebiet der Bundesrepublik bildete sich eine lebendige Gedächtnis- und Erinnerungslandschaft heraus, in der mit viel Engagement und in vielfältiger Art und Weise an die friedliche Überwindung einer totalen Grenze, aber auch an Leid, Vertreibung, Unfreiheit, Tod und die Teilung als solches erinnert wird.
Mit der Aufnahme in die deutsche Tentativliste als Weltnaturerbe im Dezember 2023 wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht.
Pressestelle Landratsamt