Das Saalfelder Schloss: Der Kunst auf der Spur beim CbDD
Besuch von Wissenschaftlern aus Altenburg und München/Marburg – Saalfelder Schloss auch ein Thema bei der Festveranstaltung 10 Jahre CbDD in München
Saalfeld. Das Saalfelder Schloss ist zwar kein Museum wie viele andere Thüringer Schlösser – es ist aber immer wieder ein Anziehungspunkt für Kunsthistoriker aus ganz Deutschland. Seit dem Umbau von 1919 bis 1922 zum Behördenhaus ist das Schloss Verwaltungssitz – und verfügt noch immer über touristisch und kunsthistorisch spannende Bereiche. So gilt die barocke Schlosskapelle nach der Einschätzung des Saalfelder Kunsthistorikers Dr. Gerhard Werner als Höhepunkt und Abschluss des barocken Kirchenbaus in Thüringen.
Jetzt war das Schloss auch Thema bei einer Festveranstaltung in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München anlässlich des 10-jährigen Bestehen des Corpus der barocken Deckenmalerei-Projekts (CbDD). „Dabei kam Schloss Saalfeld gleich mehrfach vor“, berichtet der Kunsthistoriker Georg Kabierske von der Veranstaltung am 23. April in München. „Zu Beginn lief bei musikalischer Begleitung eine Präsentation mit Beispielen zur Deckenmalerei ab, dabei wurde ein Deckenbild aus dem ehemaligen Audienzzimmer der Saalfelder Herzogin Charlotte Johanna gezeigt. Bei der weiteren Veranstaltung wurde in einem Kurzvortrag die in Folge des Brandes von 1953 zerstörte Deckenmalerei über der Saalfelder Schlosskapelle erwähnt. Thema dieses Vortrages war die Vorbildfunktion der Druckgrafiken des Dresdener Künstlers Samuel Bottschild für die barocke Deckenmalerei, die Bottschild 1693 in dem Buch „Opera varia historica, poetica et iconologie“ publiziert hatte. Bottschild schuf auch die im 2. Weltkrieg zerstörte Deckenmalerei im Palais im Großen Garten in Dresden.“
Kunsthistoriker Georg Kabierske ist ein Experte für Innenausstattungen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts und promoviert derzeit an der Universität Marburg. Erst in der Woche zuvor war er aus München angereist zur Besichtigungstour im Saalfelder Schloss – gemeinsam mit Vincent Rudolf, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Lindenau-Museums Altenburg. Rudolf ist derzeit in Altenburg mit den Vorbereitungen zu den Ausstellungen der Ernestinischen Landesteilung von 1826 beschäftigt, die sowohl für Altenburg wie auch Saalfeld gravierende Auswirkungen hatten. Auch er forscht zu Architektur- und Innenausstattung dieser Zeit.
Beide Kunsthistoriker kannten das Saalfelder Schloss bereits aus zahlreichen Veröffentlichungen und Dokumentationen wie dem Bildarchiv Foto Marburg, konnten aber mit der Vor-Ort-Besichtigung und der Führung durch Martin Modes vom Presse- und Kulturamt nun eine Menge mehr für ihre aktuellen Forschungen anfangen.
„Der Besuch regt doch wahrlich zu einer tiefergehenden Auseinandersetzung an. Wenn ich demnächst meine Führungen durch die Ausstellung in Altenburg mache, wird Saalfeld dabei einen neuen Stellenwert erhalten“, verspricht Vincent Rudolf. „Die beeindruckende Anlage bietet trotz wechselvoller Zeitläufe noch eine Struktur, die sich gerade im Bereich der Innenausstattung deutlich gegenüber anderen, zeitgleich entstandenen ernestinischen Residenzen abgesetzt. Hier besteht immer noch die Möglichkeit für Überraschungen, zumal weitere Wandmalereien unter heutigen Fassungen verborgen liegen.“
Saalfeld auch Thema bei den anstehenden Ausstellungen in Coburg
Die beiden Saalfelder Gäste sind übrigens auch in Kontakt mit dem Kunsthistoriker Nils Fleck, der in Coburg derzeit auch das Thema „Coburg Gotha – 1826 – Ein Herzog. Zwei Residenzen“ betreut. Denn insbesondere in Coburg und Gotha nehmen verschiedene Ausstellungen den Dynastienwechsel vor 200 Jahren in den Blick, der auch auf das Saalfelder Herzogtum massive Auswirkungen hatte. In Coburg befasst sich eine Ausstellung in den Kunstsammlungen der Veste Coburg ab 22. Mai mit dem Thema, in der dortigen Landesbibliothek in Schloss Ehrenburg wird der Dynastienwechsel in einer Ausstellung ab 7. September beleuchtet, ab 20. Oktober schließt sich eine Ausstellung im Staatsarchiv Coburg an. Der Begleitband der Coburger Landesstiftung zum 200. Gründungsjubiläum des Doppelherzogtums Sachsen-Coburg und Gotha erscheint im Mai.
Schloss Saalfeld im Hochglanzmagazin der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: Kunst auf der Spur
Außerdem kommt Schloss Saalfeld im aktuellen Hochglanzmagazin der Bayerischen Akademie der Wissenschaften vor, dessen aktuelle Ausgabe sich ganz dem Corpus-Projekt widmet. In seinem Beitrag „Kunst auf der Spur“ verfolgt Dr. Heiko Lass unter anderem, was aus der Allegorie des Abendmahls in der Saalfelder Schlosskapelle bei der Restaurierung geworden war: Damals wurde der Abendmahlskelch in der Hand des Engels nicht entsprechend dem Vorbild rekonstruiert.
Die Zeitschrift der Akademie kann hier online gelesen oder heruntergeladen werden:
Martin Modes
Presse- und Kulturamt
Fotos:
1. Besuch iom Schloss: V.li.: Georg Kabierske und Vincent Rudolf (vorne) bei ihrem Besuch im Saalfelder Schloss mit Martin Modes – Foto: Fransziska Ehms
2. In der Akademie der Wissenschaften in München: Das Schloss bei der Präsentation des CbDD – Foto: Georg Kabierske
3. Titelseite der aktuellen Zeitschrift der Akademie der Wissenschaften