Unfalltypensteckkarte 2025: Wieder neun Unfallhäufungsstellen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt – Kradfahrer bei Grünau besonders gefährdet
Polizei und Verkehrsbehörden analysieren das Unfallgeschehen im Jahr 2025 – und arbeiten an Maßnahmen zur Entschärfung
Saalfeld. Am 23. April haben sich wieder Verantwortliche von Polizei, Straßenverkehrsbehörden, Baulastträgern und Kombus getroffen, um das Unfallgeschehen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und die Unfallschwerpunkte des vergangenen Jahres zu besprechen. Rüdiger Kurrat als Leiter der Unfallkommission hatte dazu in die Kombus-Niederlassung am Watzenbach in Saalfeld eingeladen. Dort präsentierte Polizeihauptkommissar Ronald Engelhard die Daten, die in der Landesspolizeiinspektion aufgenommen und von Polizeihauptmeister Jens Bednorz für die Beratung aufbereitet worden war.
Sowohl Ronald Engelhard wie Rüdiger Kurrat bedankten sich bei den Teilnehmern der Runde für die konstruktive und mustergültige Zusammenarbeit aller Beteiligten im Landkreis, auch im Namen von Landrat Marko Wolfram und dem Leiter der LPI, dem leitenden Polizeidirektor Gregor Zeh. „Das Ergebnis zeigt, dass unsere Anstrengungen Erfolg haben. Weil sich aber immer wieder neue Schwerpunkte ergeben, bleibt die Zahl der Unfallhäufungsstellen doch relativ konstant“, schätzte Engelhard ein.
Hauptthema der Unfallkommission war die Analyse der Unfallhäufungsstellen im Landkreis, die wiederum neun Orte umfasst. Dabei sind aus der Statistik des vergangenen Jahres fünf Stellen - auch aufgrund erfolgreicher Maßnahmen oder Veränderungen in den Verkehrsflüssen – herausgefallen. Das betrifft in Saalfeld die Kreuzung Saalstraße/Saumarkt, die Einmündung an der Norma in die Kulmbacher Straße sowie den Kreisverkehr Pößnecker Straße/Kulmstraße. In Rudolstadt ist die Kreuzung Ludwigstraße/Gartenstraße aus der Statistik gefallen, im Kreisgebiet betrifft es die bisherige Unfallhäufungsstelle Allendorf-Schwarzburg.
Zugleich sind fünf neue Unfallhäufungsstellen hinzugekommen, die nach den Kriterien der Unfallkommissionen entweder in der 1-Jahres-Karte gleichartiger Unfälle oder in die 3-Jahres-Karte von Unfällen mit Personenschäden den Grenzwert erreicht oder überschritten haben. Drei der Unfallschwerpunkte sind in Saalfeld, drei weitere in Rudolstadt im Bereich der B85/B88 sowie drei im Landkreisgebiet.
Eine große Herausforderung ist die K 137 in Lichtenhain/Bergbahn Richtung Oberweißbach mit neun Verkehrsunfällen im Jahr 2025. Bei sieben dieser Unfälle beschädigten Lkw-Fahrer die Schutzplanke insbesondere in der Spitzkehre, obwohl die befahrene Straße für Lkw gesperrt ist. Seit November sind deshalb verrückbare Absperrschranken installiert, die ggf. durch fest verankerte Baken ersetzt werden könnten. Ein Erfolg kann bislang noch nicht eingeschätzt werden.
Zuständig als Straßenbaulastträger ist der Landkreis auch bei der K 18 in der Catharinauer Straße in Kirchhasel, wo sich im vergangenen Jahr im Kreuzungsbereich Alt Saale sechs Unfälle mit drei leicht verletzten Personen ereigneten. Dort befindet sich bereits eine 30er-Zone. Offensichtlich handelt es sich um ein Baustellenphänomen, weil die Straße häufig als Baustellenumleitung von ortskundigen Fahrern genutzt wird.
Ein besonderes Anliegen war den Mitgliedern der Beratung die dritte Unfallhäufungsstelle im Landkreisgebiet, die B 90 zwischen Grünau und Leutenberg, die sich zu einer Gefahrenstelle für Kradfahrer entwickelt hat. Zwischen 2023 und 2025 gab es dort vier Unfälle mit Kradfahrern. Unfallursächlich waren nicht angepasste Geschwindigkeit, der Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot sowie ungenügender Sicherheitsabstand. Inzwischen ist dort seit März 2026 eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 aufgestellt, die für alle Verkehrsteilnehmer gilt. „Kradfahrer können nicht erkennen, dass die Beschränkung speziell ihrer Sicherheit dient“, so die Erkenntnis der in Kommission. Deshalb wird darüber nachgedacht, an der Strecke spezielle Warntafeln für Kradfahrer aufzustellen.
In Saalfeld sind die Brauhauskreuzung und die Kreisel am Kreisverkehr Mittlerer Watzenbach/Cröstener Weg und Beulwitzer Straße/Mittlerer Watzenbach Unfallschwerpunkte. Während an der Brauhauskreuzung die inzwischen durchgängige Schaltung der Lichtsignalanlage Erfolg zeigte, wird am Kreisverkehr Cröstener Weg ein weiterer Rüttelstreifen geplant.
In Rudolstadt liegen drei Unfallschwerpunkte im Bereich B85/B88. So verzeichnete die Polizei an der Kreuzung Schwarzburger Chaussee/Schaalaer Chaussee im vergangen Jahr 13 Unfälle. Dort könnte es eine Veränderung bei den Fahrstreifen geben. In der Herbert-Stauch Straße/Am Spielborn ereigneten sich im Einmündungsbereich elf Unfälle, dort soll in Kürze probeweise eine veränderte Verkehrsführung getestet werden. Und an der Kreuzung Schwarzburger Straße/Am Spielborn ereigneten sich 80 Prozent der Unfälle bei ausgeschalteter Lichtsignalanlage – dort ist seit Anfang März die Anlage dauerhaft in Betrieb.
Die aktuelle Auswertung und die diskutierten Vorschläge sind nun Grundlage für die Unfallkommissionen des Landkreises und der Städte Saalfeld und Rudolstadt, die sich weiter mit den einzelnen Schwerpunkten beschäftigen werden, um konkrete Maßnahmen festzulegen.
Martin Modes
Presse- und Kulturamt
Foto (Martin Modes): Die Mitglieder der Unfallkommission auf dem Kombus-Gelände