Gedenken an hingerichtete polnische Zwangsarbeiter

Autor/in: Martin Modes

Vor 84 Jahren wurden in Bechstedt polnische Häftlinge hingerichtet – Gedenkstätte am Ortstrand erinnert seit 1965 an die Opfer

Saalfeld. Vor 84 Jahren, am 21. Dezember 1941 genau um 12 Uhr, war Bechstedt im damaligen Kreis Rudolstadt Ort für eine grausame Hinrichtung: Elf junge polnische Männer wurden dort getötet – als Vergeltungsmaßnahme für den Tod eines Bauern, der von einem polnischen Zwangsarbeiter tödlich verletzt worden war. Ein weiterer junger Pole, das zwölfte Opfer dieser Exekution, war bereits auf dem Weg vom Konzentrationslager Buchenwald zur Hinrichtung in Bechstedt gestor-ben.

Im Gedenken an die polnischen Häftlinge legten am vergangenen Freitag, am 19. Dezember, genau um 12 Uhr, also zu dem Zeitpunkt der Hinrichtung, Vertreter des Landkreises und weiterer Institutionen Kränze und Gestecke nieder.

In Bechstedt gedachten zusammen mit den Landkreisvertretern insbesondere Vertreter der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Basisgruppe Rudolstadt (VVN), des Wahlkreisbüros Haskala der Linken mit Lothar Haase und den Omas und Opas gegen Rechts der Opfer.

„Der Gedenkstätte Bechstedt im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt kommt unter den Erinnerungszeichen zum Konzentrationslager Buchenwald eine wichtige Bedeutung zu. Die Lebens- und Leidenswege der elf polnischen Staatsbürger an Zwangsarbeitsorten in Thüringen über das Konzentrationslager Buchenwald bis zur öffentlichen Hinrichtung in Bechstedt, belegen eindrücklich „Buchenwald war überall“, erklärt Patrick Metzler von der KZ-Gedenkstätte Laura, der auch als Ver-treter des Vorstands des Förderverein Buchenwald e. V. an dem Gedenken teilnahm. „Als Vorstand des Fördervereins Buchenwald e. V. unterstützen wir unbedingt Initiativen zur lokalen Gedenkarbeit und sind sowohl für private, wie auch öffentliche Akteure als Partner ansprechbar, denn eine demokratische Erinnerungskultur lebt vom zivilgesellschaftlichen Engagement vor Ort.“

Er hebt hervor, dass erst das Zusammenwirken von ehrenamtlich Engagierten vor Ort mit Wissenschaftlern wie Daniel Logemann und Harry Stein von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora die bis heute vorhandenen Leerstellen der Aufarbeitung mit Wissen füllen.

1965 war aufgrund von Initiativen aus Bad Blankenburger Kinderheimen und Schulen und mit Unterstützung einer polnischen Baubrigade, die an der Uni Ilmenau arbeitete, ein Denkmal zum Gedenken an diese Tat errichtet worden. Die Gemeinde Bechstedt hatte das Gelände der Gedenkstätte zuletzt im Jahr 2021 in Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde des Landkreises, der Stif-tung Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora und mit Mitteln der Thüringer Staatskanzlei sanieren lassen. Mitglieder des VVN hatten in Vorbereitung des Jahrestages zuvor Grünpflegemaßnahmen durchgeführt. Im Jahr 2022 waren am Aufgang zur Gedenkstätte zwölf Stolpersteine mit den Namen der polnischen Buchenwald-Häftlinge eingelassen worden.

Martin Modes
Presse- und Kulturamt