Ehrenamtliche pflegen Orchideenwiese
Traditioneller Pflegeeinsatz „vor der Haustür“ mit großem körperlichen Einsatz
Saalfeld. Am 23. August 2025 versammelten sich in bereits guter Tradition fast 20 Freiwillige aus Birkenheide, Dittrichshütte und Braunsdorf, um im oberen Wirbachtal vor ihrer Haustür ein besonders schützenswertes Stück Natur zu pflegen.
Aufgenommen wird damit eine über 40 Jahre alte Tradition: Bereits mit Beginn der 1980er Jahre gab es im Wirbachtal schon Pflegeeinsätze von Naturschützern. So konnte am Standort in Birkenheide sowohl das Knabenkraut wie auch typische andere Bewohner, etwa der Feuersalamander, erhalten werden und sich bis heute fest etablieren.
Insofern ist es großes Glück, dass sich vor einigen Jahren die „Interessengemeinschaft Orchideenwiese“ gegründet hatte, die seit 2019 mit hohem körperlichem Einsatz eine Fläche von über einem halben Hektar in überwiegender Handarbeit pflegt. Der größte Teil der Mahd erfolgt dabei schon zwei bis drei Tage vorher mit motorgetriebenen Geräten. Das Mähgut kann so bereits antrocknen und lässt sich damit einfacher von der Fläche schaffen. Außerdem können mit dieser Verfahrensweise Samen ausfallen und Insekten geschont werden. „Da eine feuchte Wiese jede Menge Biomasse produziert, ist allein das Beräumen von der Fläche ein Kraftakt“, beschreibt es Barbara Leirer, die Sachgebietsleiterin Naturschutz des Bauordnungs- und Umweltamtes. „Daher sind immer zahlreiche Helfer willkommen und der traditionelle gemütliche Ausklang bei Kaffee und Kuchen sowie Bier, Brause und belegten Broten stärkt Kontakte und die Freude über die gemeinsame Aktion.“
Landrat Marko Wolfram freut sich über die engagierten Naturschützer: „Ich danke allen Mitgliedern und Freunden der Interessengemeinschaft Orchideenwiese für das anhaltende Engagement. Allen Aktiven wünsche ich auch weiterhin Tatkraft und Ausdauer – und besonders schön wäre es, wenn sich auch in anderen Regionen des Landkreises Nachahmer finden und dabei helfen, die natürlichen Schätze unserer Heimat zu bewahren.
Im Landkreis ist das obere Wirbachtal eines der wenigen erhaltenen Moor-Feuchtwiesen-Täler mit ganz besonderen Arten wie dem Breitblättrigen Knabenkraut und dem Feuersalamander. Auch die noch seltenere Kreuzotter findet hier ideale Lebensbedingungen, da sie feuchtere Bedingungen mag.
Entstanden sind solche wertvollen Lebensräume durch die kleinbäuerliche Nutzung vergangener Tage: Feuchte Wiesen wurden mit Handsensen ein- bis zweimal jährlich gemäht und das Mähgut als Viehfutter genutzt. Mit der Intensivierung und Mechanisierung der Landwirtschaft fiel diese Nutzung spätestens seit den 1970er Jahren weg. Ohne jegliche Nutzung oder Pflege entstehen in wenigen Jahren jedoch Buschland und Wald, in denen Offenland-Arten nicht mehr genug Licht und Platz finden.
Für moderne Landwirtschaftsbetriebe sind solche moorigen Feuchtwiesen nicht wirtschaftlich oder häufig überhaupt nicht nutzbar. Über Maßnahmen des Vertragsnaturschutzes sind die Kosten für eine professionelle naturschutzgerechte Pflege kaum zu stemmen – deshalb leistet die Interessengemeinschaft hier sehr wertvolle und unbezahlbare Arbeit.
Martin Modes
Presse- und Kulturamt